Rückblick 10.07.2026 Trommelpalast pur – Groove kennt kein Limit!

Trommelpalast Pur begeistert mit einer musikalischen Weltreise der Rhythmen

Mannheim-Käfertal. Naturgeräusche erfüllten die große Halle des Trommelpalasts. Aus allen Ecken und sogar von den Emporen erklangen Regenmacher, Ocean Drums, Samenkapsel-Rasseln, Flexatone und Thunder Tubes. Unter der Leitung von Gero Fei entstand eine atmosphärische Klanglandschaft, die das Publikum unmittelbar in ihren Bann zog und den Auftakt zu einem außergewöhnlichen Konzertabend bildete.

Warum der Titel „Trommelpalast Pur“? Anders als bei den regelmäßigen Vorspielen standen an diesem Abend ausschließlich die Dozentinnen und Dozenten der Mannheimer Trommel- und Percussionschule auf der Bühne. In wechselnden Formationen präsentierten sie die Vielfalt ihres Könnens – ein musikalischer Abend von Profis für ein begeistertes Publikum.

Nach der klangvollen Einstimmung versammelten sich die Musikerinnen und Musiker auf der Hauptbühne zum ersten gemeinsamen Stück: Batá, der traditionellen Trommelmusik der Yoruba aus Westafrika. Die charakteristischen Rhythmen, die bis heute eine zentrale Rolle in der afro-kubanischen Religion Santería spielen, eröffneten den Reigen unterschiedlichster Percussion-Kulturen.

Es folgte Denabon, ein traditioneller Rhythmus der Malinké aus Guinea, der ursprünglich bei Tauffeiern gespielt wird. Gemeinsam mit Dirk Friederich wuchs das Ensemble auf insgesamt 14 Musikerinnen und Musiker an, die anschließend mit Fefó, einem weiteren westafrikanischen Rhythmus aus Guinea und Mali, kraftvolle Feststimmung auf die Bühne brachten.

Kaum verklungen, verlegte sich das Geschehen bereits an einen anderen Ort. Vor der Nebenbühne erklangen die brasilianischen Pandeiros. Die Formation um Steffi Hamann, Hanna Janknecht, David Münch und Gero Fei zog gemeinsam mit weiteren Musikerinnen und Musikern spielend durch die Halle – das Publikum folgte neugierig. Draußen wartete bereits die nächste Überraschung: An der Außentreppe wurde das Geländer selbst zum Instrument. Mit Drumsticks erzeugten Gero, David und Thomas markante Rhythmen, während Hanna auf einem Kunststofffass den treibenden Puls vorgab. Die Performance erinnerte an internationale Formationen wie STOMP oder die Blue Man Group und sorgte für sichtbare Begeisterung unter den Zuschauern.

Einen bewussten Kontrast setzte anschließend das Didgeridoo. Unterhalb der Metalltreppe erzeugte Dirk Friederich gemeinsam mit David Münch an der Cajón und Hanna Janknecht an den Caxixis eine ruhige, fast meditative Klangwelt. Organische Töne, sanfte Percussion und hypnotische Rhythmen ließen das Publikum in eine völlig andere Atmosphäre eintauchen. Genau dieses Wechselspiel zwischen kraftvoller Energie und stillen Klangräumen war eines der künstlerischen Konzepte des Abends.

Heiter wurde es wenig später, als vier Shekeré-Spielerinnen und -Spieler, begleitet von Djembe und Glocke, im Gänsemarsch quer durch die Halle zum Eingangsbereich zogen. Dort wartete bereits das Maracatu-Ensemble. Mit den mächtigen Alfaia-Trommeln, deren ausladende Spielweise den charakteristischen Groove prägt, entfachten die Musikerinnen und Musiker pure brasilianische Lebensfreude und begeisterten das Publikum mit ihrem energiegeladenen Auftritt.

In der Pause sorgte ein mobiler Cocktailwagen für sommerliches Flair. Leon Schuh verwöhnte die Gäste unter anderem mit frisch gemixten Gimlets – wahlweise klassisch oder alkoholfrei – und machte damit den Innen- und Außenbereich des Trommelpalasts zum entspannten Treffpunkt.

Nach der Pause erklang am Hintereingang die Berimbau, das charakteristische Saiteninstrument der brasilianischen Kampfkunst Capoeira. Gemeinsam mit Conga und Pandeiro entstand eine Klangmischung, die zugleich meditativ und rhythmisch mitreißend wirkte.

Zurück auf der Hauptbühne wurde das Publikum selbst Teil des Programms. Dirk Friederich, David Münch und Hanna Janknecht animierten die Besucherinnen und Besucher zur Bodypercussion. Durch Klatschen, Stampfen, Schnipsen und rhythmisches Klopfen verwandelte sich der eigene Körper in ein Instrument – eine Mitmachaktion, die mit viel Begeisterung angenommen wurde.

Schon wartete die nächste Überraschung im Außenbereich. Dort hatte sich das Ensemble für eine Schrottpercussion-Performance aufgebaut. David Münch rollte eine Autofelge spielend über den Platz zu einem alten Kleinbus, an dem bereits Gero, Hanna, Steffi und Thomas warteten. Gemeinsam verwandelten sie Fahrzeug, Metallteile und Karosserie in ein riesiges Schlaginstrument. Die Mischung aus Rhythmus, Performance und Theaterelementen sorgte für staunende Gesichter.

Nahtlos führte die musikalische Reise weiter nach Brasilien und Kuba – mit Maculelê und der Conga de Santiago, deren Straßenparaden-Grooves unmittelbar zum Mitwippen einluden.

Anschließend wechselte der Abend erneut nach Westafrika. Gemeinsam mit dem ghanaischen Musiker Nii Ashitey Nsotse, der im Trommelpalast Rhythmik und Trommeln für Kinder unterrichtet, sowie Djembe-Dozent Billy Konaté präsentierte Dirk Friederich den traditionellen Malinké-Rhythmus Soli. Billy Konaté an der Djembe, Dirk Friederich an der Kenkeni und Nii Ashitey Nsotse an der Dùndún entfachten ein mitreißendes rhythmisches Feuerwerk.

Für das Finale zog die gesamte Veranstaltung noch einmal nach draußen. Mit einer schwungvollen Batucada verwandelte sich der Vorplatz in eine brasilianische Samba-Parade. Der satte Puls der Surdos ließ kaum jemanden stillstehen.

Doch damit war der Abend noch nicht beendet. Zur Zugabe versammelten sich noch einmal alle Mitwirkenden auf der Bühne und verabschiedeten das Publikum mit Kpanlogo, dem entspannten und zugleich mitreißenden Groove aus Ghana. Gemeinsam entstand ein kraftvoller Abschluss, der die musikalische Reise durch Afrika, Brasilien und Kuba eindrucksvoll abrundete.

Mit dem ständigen Wechsel der Spielorte im und um den Trommelpalast hatten sich die Gründer Gero Fei und Dirk Friederich erneut ein besonderes Konzertformat einfallen lassen. Rund 80 Besucherinnen und Besucher folgten den Musikerinnen und Musikern durch Hallen, Treppen, Eingänge und Außenbereiche und wurden dabei immer wieder von neuen Klangwelten überrascht. „So bleibt man ständig in Bewegung und ist gespannt, wo und wie es weitergeht – immer eine neue Überraschung“, fasste eine Besucherin den Abend treffend zusammen.

Am Ende blieb der Eindruck eines außergewöhnlichen Percussion-Erlebnisses: musikalisch vielfältig, kreativ inszeniert und mit einer beeindruckenden Bandbreite an Instrumenten und Rhythmen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen – präsentiert von einem Dozententeam, das eindrucksvoll zeigte, warum der Trommelpalast seit vielen Jahren für Percussion auf höchstem Niveau steht.

(Text und Bilder: Bettina Gentner)